Wollen Patienten beim Arzt fernsehen?

Ja sie wollen! Eine Studie des Heidelberger Instituts für Medizinmarketing, die sogenannte TEFAU-Studie, zeigt, dass der größere Anteil der Patienten (75%) einen Fernseher im Wartezimmer begrüßen würde und als gutes Medium zur Verkürzung der Wartezeit und zur Entspannung anerkennen, jedoch nur, wenn das Programm wohldurchdacht ist.

Themenwünsche der Patienten

Die Ausrichtung moderner Facharztpraxen hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Ärztliche Zusatzangebote, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden, bei gleichzeitig immer strikter werdenden Budgetierungen, haben an Bedeutung zugenommen. Das umfangreiche Leistungsspektrum einer Arztpraxis effektiv zu kommunizieren, ist die Aufgabe eines modernen Praxis-informationssystems. Dabei stellen die dort präsentierten Inhalte ein zentrales Element des gesamten Praxismarketings dar. Eine gut gemachte Wartezimmerpräsentation kann dabei nicht nur die Wartezeit verkürzen, sie kann auch schon im Vorfeld Fragen beantworten, auf das Arztgespräch vorbereiten, Interesse an diversen Praxisleistungen wecken und über bestimmte Zusammenhänge aufklären.

Viele Ärzte scheuen sich heute noch, ihre qualifizierten Leistungen zu vermarkten. Dabei hat sich der Markt ringsum längst formiert. Nahrungsmittelergänzungen, Wellness- und Fitnessangebote, Vitaminpräparate und vieles mehr werden von den Kunden akzeptiert und bezahlt. Sie liebe Ärzte haben da oft nicht nur die besseren Angebote, Sie sind auch besser qualifiziert! Es geht um Sinn und Unsinn einer Behandlung. Lassen Sie sich nicht in Gelddiskussionen verstricken. Ein gutes, fettiges Steak kostet das 2-3fache eines EKG, vom Fachmann gemacht in Selbstzahlerleistung.

„Patienten haben kein Geld.“ Stimmt nicht!

35 Milliarden Euro wurden laut statistischem Bundesamt im Jahr 2008 zusätzlich zu den Krankenkassenbeiträgen von privaten Haushalten an Leistungserbringer im Gesundheitswesen bezahlt. Bei einer Analyse der Entwicklung der Gesundheitsausgaben fällt auf, dass der prozentuale Ausgabenanstieg im Vergleich zum Jahr 2007 besonders bei den Leistungen Prävention und Gesundheitsschutz mit einem Zuwachs von 600 Millionen Euro überdurchschnittlich hoch war.

„Arzte dürfen nicht werben.“ Stimmt nicht!

Was Ärzte dürfen oder nicht, wird durch die Berufsordnung der Berufsordnungsgremien der Bundesärztekammer vom 10.09.2002, ergänzt am 12.08.2003 festgelegt. Das Werbeverbot für Ärzte soll dem Schutz der Bevölkerung dienen. Die ärztliche Berufsausübung soll sich nicht an ökonomischen Erfolgskriterien, sondern an medizinischen Notwendigkeiten orientieren. Das Werbeverbot beugt einer unerwünschten Kommerzialisierung des Arztberufes vor. Werberechtliche Vorschriften in der ärztlichen Berufsordnung hat das Bundesverfassungsgericht daher mit der Maßgabe als verfassungsmäßig angesehen, dass nicht jede, sondern lediglich die berufswidrige Werbung verboten ist.

„Individuelle Gesundheitsleistungen sind nicht sinnvoll. Sonst würden sie von der Kasse bezahlt werden!“

Für Patienten bedeuten die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen den Abschied vom Vertrauen darauf, dass alles getan und auch bezahlt wird, was möglich ist. Oft bekommt er schon nicht mehr die Leistungen, die nötig sind. Diese Situation verlangt von Menschen, die sich um ihr Wohl sorgen, sinnvolle Untersuchungen und Therapien selber zu bezahlen. Was sinnvolle medizinische Angebote sind, kann nur sehr individuell beantwortet werden. Hier ist die Kompetenz eines Arztes gefragt. Mit einer sinnvollen Arzt-Patienten Kommunikation ist der Arzt kein Marktschreier. Er macht seine Arbeit.

Pro und Kontra Wartezimmerfernsehen:

(TEFAU Studie Heidelberger Institut für Medizinmarketing, 2008)

Pro:

+ Der Patient ist entspannter, da er die Wartezeit durch das Patientenfernsehen als kurzweiliger empfunden hat.
+ Die Nervosität tritt beim Patienten in den Hintergrund.
+ Kommunikation zum Patienten wird verbessert: Sprechzeiten, Urlaubszeiten etc.
+ Praxis kann über gesundheitspolitische Themen, wie Praxisgebühr, Rabattverträge etc., aufklären.
+ Themen zur Prävention, wie Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen, haben einen echten medizinischen Nutzen für den Patienten.
+ Patient fühlt sich gut behandelt.
+ Imagepflege ist für die Praxis sehr leicht möglich.

Kontra:

Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient kann gestört werden, wenn das TV Programm nur aus Werbung besteht.
Der Patient wird kritisch bei zu viel Eigenwerbung.
Patient fühlt sich gestört.

Über den Autor

Michael Roch

Michael Roch, Dipl. Ing. für grafische Technik (FH) war Chefredakteur eines Stadtmagazins, Pressesprecher beim Mitteldeutschen Rundfunk und IT-Unternehmen, ist Journalist und seit 2009 Mit-Gründer von med1a-TV.
Weitere Informationen unter www.med1a-tv.de

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